Die Lutherbibel 2017

Wir schreiben das Jahr des Herrn 1522. Martin Luther versteckt sich als Junker Jörg auf der Wartburg und vollbringt in dieser Zeit eine unglaubliche Leistung. Er übersetzt in elf Wochen das gesamte Neue Testament aus der Ursprache, dem Griechischen, in die deutsche Sprache, auf dass in den deutschen Landen ein jeder Christ selber in der Bibel lesen könne. Noch im September 1522 wird diese erste Übersetzung gedruckt (man spricht später vom „Septembertestament“) und ist so schnell ausverkauft, dass gleich im Dezember eine zweite Auflage erscheint. In der Folgezeit kommt das Alte Testament dazu und so erscheinen zu Luthers Lebzeiten immer wieder neue Auflagen der Lutherbibel, die Luther selber auch immer wieder korrigiert.

 

Die Lutherbibel wurde danach im Laufe der Jahrhunderte zur prägenden und traditionsreichsten Bibelübersetzung in der evangelischen Kirche und ist noch heute im Leben der Kirche die maßgebliche Bibel. Dabei ist die Lutherbibel auch nach Luther immer wieder überarbeitet, d.h. revidiert worden. Die letzte Revision war die Lutherbibel 1984 und war das Ergebnis einer zwanzig Jahre langen Arbeit, die allerdings nicht durchgehend überzeugend war.

Aus Anlass des Reformationsjubiläums 2017 beschloss die Evangelische Kirche in Deutschland 2010, die Bibel einer erneuten Revision zu unterziehen. 70 Experten haben fast sechs Jahre lang daran gearbeitet und nun liegt die neue Lutherbibel 2017 vor.

Doch wie revidiert man eine Lutherbibel? Woran orientiert man sich?

Zwei Hauptkriterien gab es bei der Revision: Zum einen war das die Treue gegenüber Luthers Text. Und so wurden manche Änderungen von 1984 wieder rückgängig gemacht. Es gibt nun wieder „mehr Luther“.

Und so lautet die Weihnachtsgeschichte nun wieder:

„Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa aus der Stadt Nazareth in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.“

Haben Sie es gemerkt? Kaum zu glauben, aber tatsächlich gibt es in diesen wenigen Zeilen sechs Änderungen im Vergleich zu Luther 1984. Vergleichen Sie es ruhig mal. Tatsächlich sind es oft Kleinigkeiten (z.B. wurde aus „jeder“ nun wieder „jeglicher“), die aber den Texten ihren ursprünglichen Charakter wiedergeben.

 

Das andere Hauptkriterium war die Treue gegenüber den biblischen Originaltexten. Ja, auch Luther hat nicht immer richtig übersetzt, manches ist schlecht oder sogar falsch übersetzt. Diese Fehler wurden anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse korrigiert. So übersetzte Luther 1522 noch bei der Sturmstillung in Matthäus 8, dass sich ein „Ungestüm im Meer“ erhob. 1984 machte man daraus einen „Sturm auf dem See“. Im griechischen Original steht aber „seismos“ (uns bekannt durch das Fremdwort Seismographie) und das heißt „Erdbeben“. Matthäus berichtet also von einem Seebeben und so heißt es in Luther 2017 nun richtig: „Und siehe, da war ein großes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde.“ 

Es gibt aber auch Lutherworte, die sind so geprägt, dass man sie nicht einfach ändern wollte, sondern die richtige Übersetzung in einer Fußnote mitteilt. Und ein Sonderfall sind die sogenannten Apokryphen. Diese biblischen Bücher wurden nur zum Teil von Luther, aber auch von Melanchthon, Justus Jonas und anderen Wittenberger Gelehrten so schnell und aus so schlechten Quellen übersetzt, dass die Revision 2017 beschlossen hat, die gesamten Apokryphen im Stil Luthers neu zu übersetzen.

 

Neben der Treue zu Luther und der Treue zum Originaltext wurden noch viele weitere Kriterien angewendet, so wurde aus der Anrede „Brüder“ in den neutestamentlichen Briefen fast durchgehend „Brüder und Schwestern“.

Das Ziel der Revision war übrigens nicht, das Lutherdeutsch dem modernen Deutsch anzugleichen. Dafür gibt es andere Übersetzungen, die dieses sehr gut leisten.

Das Ergebnis der Revision 2017 ist dafür eine beeindruckende Bibel, die sehr von der Sprachkraft und Poesie Martin Luthers lebt.

 

Die erste Lutherbibel, das Septembertestament 1522, war ein großer Verkaufserfolg; und das, obwohl ein Exemplar damals so viel wie ein Ochse mitsamt Gespann kostete und viele Menschen gar nicht lesen konnten.

Inzwischen sind Bibeln sehr viel günstiger geworden, eine neue Lutherbibel gibt es schon für 18,- Euro. Aber unabhängig vom Preis ist der neuen Lutherbibel 2017 zu wünschen, dass sie ebenso viele Liebhaber und Liebhaberinnen findet wie die erste Lutherbibel vor fast 500 Jahren.

Nico Szameitat

 

Veranstaltungen

500 Jahre Reformation - ein Glaubens-Fest
31. Oktober 2017 - 18:00

Festgottesdienst mit anschl. Fest im Gemeindehaus Martin-Luther-Kirche, Süddorf

Martin Luther - Musical
25. November 2017 - 18:00

Musical des Kinder- und Jugendchores des Kirchengemeinde Westerstede Eintritt frei St. Petri-Kirche Westerstede